DSCHUNGELCAMP – BAUMHÄUSER AUF BALI

Stilvorlage

Dschungelcamp
Baumhäuser auf Bali

Sie wirken wie Raumschiffe, sind aber ganz Natur. Mit ihren Bambushäusern zeigt Elora Hardy, wie ökologisches Wohnen sein kann: wunderschön und sehr komfortabel.

Mai 2021, Lesezeit: 16 Minuten

Das Ananda House steht wie eine Bambusblüte im Palmenhain. Fotos: Stephen Johnson

Auf den ersten Blick ist nur üppiges Dschungelgrün zu sehen: Schlanke Kokospalmen, Bananenstauden, Papaya-Bäume und Schlangenfrucht-Sträucher, die sich im warmen Tropenwind bewegen. Dann rutscht eine luftige, irreal anmutende Bambus-Konstruktion ins Bild. „Was für ein großartiges Baumhaus!“, ruft der Besucher verblüfft. Elora Hardy liebt diesen Moment: „Nein“, sagt sie, „das ist nur die Garage. Das Baumhaus steht dort drüben“. Bali gilt als ultimatives Urlaubsparadies mit traumhaften Luxushotels, biblischen Landschaften und den liebenswürdigsten Menschen der Welt. Trotz wachsendem Tourismus hat sich die Insel einen gelassenen Lebensstil und eine Ursprünglichkeit erhalten, die man auf Phuket, Mauritius oder Ibiza vergeblich sucht. So mancher Urlauber konnte sich nicht davon trennen und blieb. Nach und nach entstand vor allem in und um Ubud eine internationale Gemeinschaft aus Künstlern, Kreativen und Weltverbesserern, die ihr Aussteigerleben mit ökologischen Idealen und einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik verbinden.

Ibuku-Gründerin Elora Hardy. Foto: Manuel Gomes da Costa

Elora Hardy ist auf Bali aufgewachsen. Sie hat als Kind in den Reisfeldern gespielt und im spektakulären Langhaus ihrer Eltern gewohnt. Ihr Vater John Hardy experimentierte schon früh mit umweltfreundlichen, in die Natur integrierten Bauten. Seine für hochwertigen Silberschmuck bekannte Manufaktur war größtenteils aus Bambus errichtet, sein Showroom weltweit in renommierten Design-Magazinen zu sehen. 2008 eröffneten er und seine Frau Cynthia die Green School – eine Schule, deren Infrastruktur vollständig aus Bambus, Backstein und Lehm besteht. „Bali ist zu einem wichtigen Schaufenster für die architektonischen Möglichkeiten von Bambus geworden“, glaubt der gebürtige Kanadier, „die Designerin Linda Garland hat mit ihrer Bambus-Stiftung Pionierarbeit geleistet, ihr Sohn ist ein Experte in Sachen Bambus-Anbau und Verarbeitungstechniken. Und mit der Big Tree Farm hat Bali das weltweit größte aus Bambus errichtete Industriegebäude. Es ist eine Schokoladenfabrik“.

Gleich neben der Green School wächst das Green Village aus dem sattgrünen Dschungelboden. Ein „Dorf“ mit bislang 18 Villen, die mit ihren über dem Boden schwebenden Plattformen und den geschwungenen Dächern wie Piratenschiffe oder Baumhäuser wirken. Sie sind größtenteils aus Bambus gebaut. „Bambus ist per Definition umweltfreundlich, man muss es nicht nachpflanzen, es wuchert ganz von alleine“, sagt Elora Hardy. Sie und ihr 2010 gegründetes Unternehmen Ibuku stehen hinter dem Green Village, dessen bislang spektakulärster Bau das 750 Quadratmeter große Sharma Springs ist – jene Villa, von der man zuerst nur die Garage entdeckt.ke betreten, die direkt ins Wohnzimmer auf der dritten Etage führt – einen großzügigen, nach allen Seiten hin offenen und auf verschiedene Ebenen verteilten Raum, dessen sanft schimmernder Bambusboden bei jedem Schritt nachfedert. Bambus, wohin man blickt: Esstisch, Sofas, Sessel, Konsolen – die ganze Einrichtung ist auf Bali, an den Design-Tischen des 25-köpfigen Ibuku-Teams entstanden.

„Beim Entwurf habe ich an eine sich öffnende Lotos-Blüte gedacht“, erzählt Elora Hardy. Die Blume steht gefährlich nah am Abgrund, hoch über dem steil abfallenden Tal des Ayung River. Sharma Springs wurde für den Kanadier Sumat Sharma und seine Familie in 18 Monaten Bauzeit errichtet. Das mehrstöckige Gebäude wird durch eine tunnelförmige Brücke betreten, die direkt ins Wohnzimmer auf der dritten Etage führt – einen großzügigen, nach allen Seiten hin offenen und auf verschiedene Ebenen verteilten Raum, dessen sanft schimmernder Bambusboden bei jedem Schritt nachfedert. Bambus, wohin man blickt: Esstisch, Sofas, Sessel, Konsolen – die ganze Einrichtung ist auf Bali, an den Design-Tischen des 25-köpfigen Ibuku-Teams entstanden.

Ganz oben: Sharma Springs mit spektakulärer Außenansicht, Foto: Tim Street-Porter. Darunter: Von Innen ist das Haus geräumig und komfortabel, Fotos: Rio Helmi

Längst ist die natürliche Eleganz ihrer Entwürfe über Balis Grenzen hinaus bekannt: Ibuku-Projekte sind auch in Hongkong, Singapur und auf den Malediven zu sehen. Elora Hardy versäumt es nie, auf die Kunstfertigkeit ihrer Architekten und Baumeister hinzuweisen, die Anhand von Miniatur-Bambusmodellen arbeiten. Sie schwärmt von der Schönheit ihres Baumaterials, das in ganz Indonesien wächst und fast umsonst zu haben ist und erzählt von den abenteuerlichen nächtlichen Transporten, wenn 18 Meter lange Bambusrohre in viel zu kurzen LKWs über die kurvigen und nicht gerade breiten Inselstraßen bis in das immer noch weitgehend unverbaute Ayung River-Tal gebracht wurden. „Ich bin jedes Mal erleichtert, wenn alles reibungslos klappt“, sagt die 40-Jährige, die nach einem Kunststudium in den USA ein paar Jahre lang als Print-Designerin für Donna Karan gearbeitet hat, bevor sie der Wunsch nach einer ökologisch geprägten Aufgabe und die Sehnsucht nach Bali zurück auf die Insel brachten.1

Ihre Eltern hatten 2008 die Green School eröffnet, und selber schon an ein angrenzendes Wohnareal für Eltern, Freunde und Freundesfreunde gedacht. Elora griff die Idee auf und machte sich an die Arbeit. Nun steht dort unter anderem das 18 Meter hohe Bambus-Gebilde im Busch. Eine Treppe windet sich um die zentrale Turmstruktur vom Living bis auf eine darüber liegenden Terrasse, die eigens zur Beobachtung der dramatischen, in allen Rot-Schattierungen leuchtenden Sonnenuntergänge über dem Flusstal errichtet wurde. Die gleiche Treppe führt auf die unteren beiden Etagen mit vier Schlafzimmern und Bädern, Spielzimmer und Bibliothek. Im Erdgeschoss wird gekocht, auch für ein kleines Spa fand sich noch Platz. Sharma Springs ist ein Traumhaus, wie es jeder gerne hätte, und sei es nur einen Urlaub lang. „Das lässt sich machen“, lacht Elora Hardy, „die Sharmas sind nur ab und zu hier. Die meisten Monate im Jahr vermieten sie ihr Haus“.

Klein, charmant und naturverbunden: das Sunrise House. Fotos: Rio Helmi

Es gibt weitere Optionen für Green-Village-Bewohner auf Zeit: Sunrise House etwa, errichtet für eine auf Bali lebende Neuseeländerin. „Sie wohnt unten am Strand und wünschte sich eine Art Sommerfrische in den Bergen“, erklärt Elora, „wir bauten ihr ein gemütliches Baumhaus, sehr naturverbunden, sehr lässig, mit wenigen Wänden und ohne Klimaanlage. Sie ist nur selten hier oben, Sunrise House ist meistens an Feriengäste vergeben“. Das Gebäude wird von oben betreten, über einen Raum in der vierten Etage, der sich rund um einen zentralen Bambusturm entfaltet. Der Turm dient dem Haus als Skelett, in seiner Mitte kreuzen sich die tragenden Bambusrohre. Unter dem geschwungenen Dach befindet sich ein kleines Büro, es gibt ein kuscheliges Fernsehzimmer in einem überdimensionalen Bambuskorb und mehrere Schlafräume mit Bädern. Für die Abdeckungen in der Küche schnitten Steinmetze aus Java mächtige Flusssteine wie Brotlaibe in dicke Scheiben mit dunkler Umrandung, während die Metallwasserbecken von balinesischen Schmieden in Form gebracht wurden.

Oder das elegante, aus drei mehrstöckigen Gebäudetrakten bestehende Ananda House, das für den Schauspieler David Hornblow mitten in einen Palmenhain gestellt wurde. Oder das kleinere Aura, dessen rund 100 Quadratmeter wie ein Vogelnest aus hellstem Bambus in den Baumwipfeln schweben. Oder das dreistöckige Eclipse House, das hauptsächlich aus Black-Petung-Bambus errichtet wurde und von schwarzen Zuckerpalmen umgeben ist. Es schwebt über einer Terrassen-Kaskade, die an einem halbmondförmigen Inifinity-Pool endet. Oder das blattförmig gestaltete Leaf House … Man hat die Qual der Wahl. Selbst für Menschen, die den Ibuku-Stil erleben möchten ohne auf den Komfort eines Hotels zu verzichten, gibt es eine Möglichkeit: John und Cynthia Hardys Eco-Resort Bambu Indah mit 20 unterschiedlichen Bambushäusern, zwei Restaurants, Spa und in den Dschungel eingebettete, natürliche Swimmingpools.

Ganz oben: Das Moon House im Hotel Bambu Indah. Foto: Alina Vlasova; Oben: River House im Green Village. Foto Rio Helmi

Alle Ibuku-Häuser wirken auf den ersten Blick wie alternative Herbergen für in die Jahre gekommen Hippies, tatsächlich aber sind es sind Luxusvillen mit jeglichem Komfort: Internet, Satelliten-TV, Bibliotheken, perfekt ausgestatteten Küchen, schönen großen Bädern – es fehlt an nichts. So langsam merken auch die Einheimischen, welches Potenzial in den billigen und vielfältig einsetzbaren Bambusrohren steckt. Sie beobachten aufmerksam, wie Ausländer mit ihrem vermeintlichen Arme-Leute-Baumaterial umgehen, und welche Wunderwerke sie daraus entstehen lassen. Auch der Wert dieser Dinge entgeht ihnen nicht – eine Ibuku-Villa kann locker ein paar Millionen US-Dollar kosten. Schon werden in Designläden in Ubud, Seminyak und Sanur zauberhafte Wohnaccessoires aus Bambus verkauft, die klobigen traditionellen Bambussofas durch filigran gestaltetes Mobiliar ersetzt. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Balinesen auch für sich selbst Häuser aus Bambus errichten. Und zwar nicht nur aus Kostengründen, sondern weil sie sehen, wie schön sie sind“, glaubt Elora Hardy. Dann hätten die Hardys und alle anderen balinesischen Bambus-Aktivisten ihr Ziel erreicht.
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