FLORENZ FÜR FOODIES

Delikatessen

Florenz für Foodies

Die Renaissance-Stadt am Arno hat das Problem aller zum Sterben schöner Orte: zu viele Lover. Das liegt nicht nur an der Optik, sondern auch an der großartigen toskanische Küche und den dazu gehörenden Weinen.

August 2021, Lesezeit: 23 Minuten

Ganz oben: Weinbar Il Santino. Oben: Flaschenparade in der Osteria dell’Enoteca. Foto: Olga Makarova

Nichts für Vegetarier: eine perfekt zubereitete „Fiorentina“ im Regina Bistecca. Foto: Alessandro Moggi

Wer die Uffizien, Ponte Vecchio und den Dom gesehen, die Gucci-Pucci-Prada-Läden durchforstet hat, darf sich mit gutem Gewissen einem weiteren Highlight der toskanischen Metropole widmen – der Küche. Die hat in den vergangenen zehn Jahren eine erfreuliche Wandlung erlebt: Vorbei die Zeiten, in denen man Abend für Abend in traditionellen Trattorien vor Chianti-Bastflaschen und einem Riesensteak saß. In Florenz ist in den letzten zehn Jahren eine neue Generation ganz unterschiedlicher Lokale entstanden, die frischen Wind in die Gastroszene bringen und auch Einheimischen gefallen.

Urban und global gestylt: die Pizzeria Berberè. Foto: Francesca Sara Cauli

Frisch zubereitet, herzhaft und günstig: Florentiner Spezialitäten im Mercato Centrale.

Beste Happy Hour der Stadt: Cocktails und Fingerfood in der trendigen Fusion Bar im Gallery Hotel Art. Foto: Lungarno Collection

Um die nicht mehr ganz so geheimen Geheimtipps zu finden, muss man sich abseits der gängigen Touristenpfade bewegen. Oft reicht es, ein paar Gassen weiterzugehen, manchmal braucht es aber auch etwas Spürsinn, um jene Lokale zu finden, die noch nicht zu bekannt und zu teuer sind, und in denen man ungetrübt zwischen Gleichgesinnten genießen kann. Mal sind es alteingesessene Nachbarschafts-Osterien mit unverfälschter Hausmannskost, mal gut verborgene Lokale mit ambitionierten jungen Küchenchefs am Herd, mal coole Orte, die an London oder New York erinnern bis jemand „ciao, che ti porto?“ (Hallo, was kann ich Dir bringen?) fragt und dann mit einer Portion Panzanella kommt, die es so köstlich nur in Florenz gibt.

Frühstück

Sottarno Commestibili

Das nette Lokal mit gerahmten Menüs aus aller Welt an den Wänden und einem feinen Frühstücksbuffet wird nach langer Pandemie-Pause im September wieder eröffnen. Bis zehn Uhr soll es den Gästen des darüber liegenden Hotels vorbehalten sein, doch danach darf sich jeder von den blättrigen Croissants und hausgemachten Torten nehmen. Man darf sich auch auf die frischgebackenen „schiacciate“ (Brotfladen) mit Mortadella freuen – ein Highlight für alle, die gerne salzig frühstücken. Dazu gibt es Cappuccino, verschiedene Teesorten und frischen Orangensaft. Via Maggio 53/R

Ditta Artigianale Sant’Ambrogio

Der jüngste Ableger der Florentiner Kaffee-Manufaktur eröffnete Anfang Juli 2021 im frisch restaurierten Klosterkomplex Monastero di Sant’Ambrogio. Schon davor war das von Barista-Meister Francesco Sanapo geleitete Kaffee-Unternehmen für den besten Espresso der Stadt bekannt. Denn an den Marzocco-Maschinen stehen stets Stars der italienischen Barista-Szene, die problemlos erklären können, von welcher Plantage jede Kaffeebohne stammt, was es mit der Röstung auf sich hat und wie ein „cold brew“ entsteht. Spätaufsteher können sich zum Frühstück neben dem üblichen Gebäck auch Porridge, Avocado-Toast, Rühreier oder Jogurt mit Honig und Nüssen bestellen und täglich bis 16.30 brunchen. Via Carducci 2-4/R, Tel. +39 055 936 7419, dittaartigianale.it
Foto: Sofie Delauw

S.forno

Die schlechte Nachricht zuerst: Hier gibt es keinen Cappuccino. Denn S.forno ist kein schickes Café mit Espressomaschine, sondern eine 150 Jahre alte Bäckerei, die von einem jungen Team übernommen und in einen ländlich wirkenden Brotladen mit kleinem Gästebereich verwandelt wurde. Brot wird weiter gebacken und zwar sowohl das salzlose toskanische Weißbrot als auch Baguettes, Fünfkornbrot oder „Pan dei Santi“ mit Nüssen, Rosinen und Pfeffer. Aus der Backstube hinter dem Verkaufslokal kommen auch Torten, Kekse und die fluffigen Croissants, die im Frühstückskorb liegen. Dazu stehen Thermosflaschen mit Kaffee und Teewasser, leckere Biosäfte, hausgemachtes Granola, Joghurt, Butter und Marmelade bereit. Via Santa Monaca 3/R, Tel. +39 055 239 8580, ilsantobevitore.com

Cibreo Caffè

Klein, gemütlich, plüschig – das charmanteste Café der Stadt befindet sich leicht abseits vom Zentrum im urflorentinischen Sant’Ambrogio-Viertel und in Sichtweite des gleichnamigen Markts. Wer nicht auf der pariserisch anmutenden Terrasse bleibt, setzt sich in den Salon mit roten Samtsesseln, einer fantastischen geschnitzten Holzdecke und einer altmodischen Vitrine, in der das Angebot an Patisserie zu sehen ist. Spätestens hier beginnt die Qual der Wahl: Lieber ein Milchreis-Törtchen oder ein „occhio di bue“ (Spitzbube)? Lieber ein Stück der hausgemachten „crostata“ (Mürbeteig-Torte mit Marmelade) oder ein salziges Mini-Sandwich? Egal, was man wählt – alles schmeckt gut, und neben dem cremigen Cappuccino gibt es auch eine vernünftige Teeauswahl. Via A. del Verrocchio 5/R, Tel. +39 055 234 5853, cibreo.com

Zwischendurch

I Fratellini

Der schrankgroße Ausschank gleich hinter Piazza della Signoria gilt als ältester Street-Food-Stand der Stadt. Seit 1875 werden hier Wein und belegte Brötchen verkauft, und weil beides gut und günstig ist, blockieren wartende und essende Kunden oft die ganze Gasse. Ganz zufällig waren es von Anfang an und nun schon in fünfter Folge immer zwei Brüder, die den Laden am Laufen hielten. Seit 1992 teilen sich Armando und Michele Perrino die sechs Quadratmeter große Standfläche und bereiten dort jedes der üppig mit Schinken und Robiola-Creme oder Butter und Sardellen belegten „panini“ auf Bestellung zu – zwischen 300 und 700 Mal am Tag. Alle ausgeschenkten Weine stammen aus der Toskana: Der rote Hauswein kostet 1,50, der Brunello di Montalcino 5 Euro pro Glas. Via dei Cimatori 38/R, Tel. +39 055 239 6096

Amblé

„Fresh food and old funiture“ ist das Motto dieses coolen Lokals, das sich im Quartier der Goldschmiede unweit von Ponte Vecchio befindet. Früher wurden in den Räumen Schmuckschatullen hergestellt, heute stehen hier Vintage-Möbel, die zum käuflichen Angebot gehören. Die meisten Kunden sind aber hungrige Gäste, die wegen der frisch zubereiteten Obst- und Gemüse-Smoothies kommen oder wegen der „tramezzini“ (Sandwiches). Besonders beliebt ist das Club Amblé Sandwich, eine toskanische Version des amerikanischen Vorbilds mit Rosmarinschinken, Rühreiern, Pecorino-Käse und hausgemachter Mayonnaise. Dazu gibt es knusprige Ofenkartoffeln und bei Sonnenschein eine kleine Hofterrasse. Piazzetta dei Del Bene 7a, Tel. +39 055 268 528, amble.it

Carduccio

Das Konzept klingt einfach: „Wir möchten den Biobauernhof auf den Tisch bringen“, erklärt die gebürtige Holländerin Miranda Plouvier, der das klitzekleine Lokal gleich hinter der prächtigen Piazza Pitti gehört. Sie arbeitet mit handverlesenen Biobauernhöfen, die ihr liefern, was sie gerade haben. Daraus werden täglich unterschiedliche Gerichte zubereitet, zum Beispiel eine Suppe aus Karotten, Topinambur und Kurkuma, ein vegetarischer Burger oder ein Salat aus schwarzem Kohl, Orangen, Avocado, geröstetem Kürbis und Erdnüssen. Dazu trinkt man einen frisch zubereiteten Smoothie aus Spinat, Banane, Zitrone und Mandelmilch oder ein Glas biodynamischen Prosecco. Sdrucciolo de’ Pitti 10/R, Tel. +39 055 238 2070, carduccio.com

Mercato Centrale

Ob Berlin, Lissabon oder Los Angeles: Markthallen in Fresshallen zu verwandeln, scheint ein Erfolgsrezept zu sein. In Florenz wurde der 1874 errichtete Mercato Centrale in zwei Bereiche aufgeteilt: Unten gibt es Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Käse und Wurstwaren zu kaufen. In der ersten Etage fand ein Dutzend „botteghe“, die kleinen Familienbetrieben gehören, Platz – etwa die Metzgerei Savigni mit ihrer würzigen Fenchelsalami oder Raimondo Mendolia, der frische Teigwaren zubereitet. Außerdem: Stände, die Pizza, Burger, chinesische Dumplings oder vegetarische Gerichte verkaufen. Wein und Bier gibt es auch sowie 500 Sitzplätze an zentralen Esstischen. Via dell’Ariento, mercatocentrale.it

Mittags

Baccalunch

Zufällig kommt hier niemand vorbei: Das minimalistisch-schick gestaltete Lokal steht in einer stillen Gasse im Stadtteil San Frediano und bietet maximal zwei Dutzend Gästen Platz. Mehr könnte die Inhaberin und Köchin Francesca Niccolini in ihrer verglasten Kombüse nicht bekochen. Um überhaupt eine Auswahl anbieten zu können, hat sie sich auf eine Zutat spezialisiert: Baccalà (Stockfisch). Den bereitet sie mal klassisch toskanisch als Schmorgericht mit Tomatensauce zu, mal exotisch in Kokosmilch gegart, mal in Fritter-Form auf Kichererbsenmus. Dazu empfiehlt sie einen trockenen Vermentino, danach ihre köstliche Crème brûlée. Via del Leone 24/R, Tel. +39 055 233 53 81, baccalunch.it

5ecinque

An einer Ecke der charmanten Piazza della Passera steht das hübscheste und beste vegetarische Restaurant der Stadt mit einer Handvoll abgewetzter Holztische in bester New Yorker Tradition. Silvio Varando und seine Frau Mariolina Garau vertreten die in Italien noch nicht sehr weit verbreitete Meinung, dass vegetarische Bio-Küche fröhlich und abwechslungsreich sein kann. Auch wer die übersichtliche Menükarte schon mehrfach durchgetestet hat, wird überrascht, denn Mariolina denkt sich selbst bei ihren Bestsellern gerne kleine Variationen aus. Immer gut: die Tomateneier, die Kichererbsen-Kroketten mit gebratenem Gemüse und Minz-Joghurtsauce sowie alle Desserts. Piazza della Passera 1, Tel. +39 055 274 1583, 5ecinque.it

Sweet Vino e Pescato

Florenz gilt zwar als ein Schlaraffenland für Fleischesser, aber es gibt auch einige Adressen für Fischfreunde. Sweet eröffnete in einer ehemaligen Weinbar und ist entsprechend klein, aber schön maritim mit weiß lackierten Holzmöbeln, blau-weißen Kacheln und Lampen, die aus den Glocken von Fischerbooten geformt wurden. In einer Glastheke liegen Austern, Garnelen und Langustinen, Platten mit Salat aus gehobelten Artischocken und gedämpften Tintenfischen und in Öl, Petersilie und Chili marinierte Sardellen. Aus der Küche kommen Risotto mit Jakobsmuscheln, Thunfisch in Pistazienkruste oder was Küchenchef Alessandro noch so einfällt. Dazu ein Glas perlenden Franciacorta-Wein und man fühlt sich wie im Urlaub am Meer. Via di Ripoli 8, Tel. +39 055 658 7051

Trattoria Sabatino

Das Lokal der Familie Buccioni gilt als Stammkneipe vieler Bewohner des Handwerker- und Künstlerviertels San Frediano. An den Tischen sitzen Studenten und Professoren, junge Paare und die Oma, die seit rund 40 Jahren jeden Dienstag, wenn es Kutteln gibt, kommt, und am Freitag zum Baccalà (Stockfisch). Sabatino existiert seit 1956 – das sieht und schmeckt man. Die Einrichtung wirkt wie die Filmkulisse eines Fellini-Films, aus der Küche kommt echte Hausmannskost, die von Mamma Laura zubereitet wird. Selbst die Preise scheinen aus einer anderen Zeit: Die Tagliatelle mit Tomatensauce kosten 4,80 Euro, das „Rosbif“ mit Ofenkartoffeln 5,90 Euro und ein Glas Wein gibt es für sagenhafte 80 Cent. Via Pisana 2/R, Tel. +39 055 225 955, trattoriasabatino.it

Abend

Ora d’Aria

Das kleine, modern gestaltete Restaurant glänzt seit Jahren mit einem Michelin-Stern. Gut sichtbar hinter einer Glasfront bereitet Küchenchef Marco Stabile seine Version von toskanischer Küche zu, etwa die von der Großmutter inspirierten Variation von Huhn und Ei, das panierte Rindfleisch mit Selleriepüree und Vin-Santo-Reduktion oder das Dessert mit vier Olivenöl-Sorten – aber erst ab Mitte September, wenn Ora d’Aria nach einer Ruhe- und Denkphase mit neuem Menü und leicht verändertem Dekor wieder eröffnet. Via dei Georgofili 11/R, Tel. +39 055 200 1699, oradariaristorante.com

Osteria dell’Enoteca

Erst eröffneten die vier Freunde Edoardo, Manuele, Lorenzo und Zeno eine schicke Weinbar an Piazza Pitti und servierten ein paar wenige Gerichte als Basis für den Magen. Als immer mehr Gäste auch oder gerade wegen des leckeren Essens kamen, kauften sie eine alte Osteria, deckten die Holztische mit hellem Leinen ein und stellten eine ländlich-toskanische Menükarte zusammen. Es gibt Hähnchenleberpastete auf geröstetem Brot, gratinierte Crespelle mit Spinat und Ricotta, Wildschwein-Ragout mit Oliven und die legendären „bistecche alla fiorentina“, die hier von monatlich wechselnden Rinderrassen stammen. Das Lokal ist unprätentiös, der Service jung und fröhlich und die Preise ausgesprochen human. Via Romana 70/R, Tel. +39 055 228 6018, osteriadellenoteca.com
Foto: Alessandro Michelazzi

Pizzeria Berberè

Über die weißen Backsteinwände huschen großformatige Tuschezeichnungen, an der Decke ziehen sich Industrie-Rohre entlang – Berberè ist eine in jeder Hinsicht ungewöhnliche Pizzeria. Die ellenlange Liste von Margherita bis Quattro Stagioni fehlt, dafür werden in der offenen Küche Oliven, rote Zwiebeln und Origano, Kürbis-Pilze-Taleggio oder – ein Highlight! – Schinken, Stracciatella-Käse und Orangen-Öl als Belag verwendet. Wo immer möglich kommen Slow Food- und Bio-Produkte zum Einsatz, der Teig darf 24 Stunden lang ohne Zugabe von Hefe gären. Dadurch wird die Pizza leicht verdaulich, man braucht nach dem Essen keinen Grappa, sondern kann ein weiteres Craft Beer bestellen. Piazza De’ Nerli 1, Tel. +39 055 238 2946, berberepizza.it

Regina Bistecca

Das in den prächtig gewölbten Räumen eines ehemaligen Buch-Antiquariats gleich hinter dem Domplatz eröffnete Restaurant widmet sich fast ausschließlich der „bistecca alla fiorentina“. Das Fleisch des gut 5 Zentimeter hohen und 1,5 Kilogramm schweren T-bone-Steaks stammt von den weißen Chianina-Rindern aus der Maremma, wird aus dem Rücken geschnitten, über glühender Kohle gegrillt und fast roh mit einer Prise Meersalz und einem Schuss Olivenöl gegessen. Die imposanten Fleischbrocken sind zum Teilen gedacht, dazu passen weiße Bohnen an Olivenöl, Rosmarinkartoffeln und ein tiefroter, vollmundiger Chianti Classico. Via Ricasoli 14/R, Tel. +39 055 269 3772, reginabistecca.com
Foto: Alessandro Moggi

Süss

La Sorbettiera

Ingwer-Sorbet mit Honig-Noten? Ein abenteuerliches Guacamole-Eis? Oder doch lieber „catrame“, das Teer-schwarze Schoko-Eis aus 75 Prozent peruanischem Kakao? „Wir, unsere Familie und unsere Freunde sind unsere treuesten Kunden – wir müssen ein hervorragendes Eis produzieren“, sagt Elisa Straziati, die die Eisdiele zusammen mit ihrem Mann Antonio Ciabattoni eröffnet hat. Das Paar erfindet ständig neue Sorten, die täglich frisch im einsehbaren Laboratorium hergestellt werden und verwendet erstklassige Zutaten von ausgesuchten Lieferanten – wann immer möglich in Bioqualität. Erklärtes Ziel ist es, ein Eis zu produzieren, dass komplett hausgemacht ist. Kein Wunder, dass sich auch die Florentiner Sterne-Gastronomie gerne beliefen lässt. Piazza Torquato Tasso 11/R, Tel. +39 055 512 0336, lasorbettiera.com

Bottega di Pasticceria

In diesem eleganten, zweistöckigen Salon mit schönem Holzboden und mattgrünen Lederbänken könnte man auch einen Hamburger mit Salat bestellen. Aber kaum jemand macht das, denn dies ist das Reich der Torten und Törtchen, wobei die kleinsten darunter die beliebtesten sind. Die Mini-Küchlein liegen wie Juwelen hinter Glas und sind mal mit Pistazien-Creme, mal mit Schoko-Mousse oder mit Beeren gefüllt. Weil sie so klein sind, kann man sich eine Auswahl zusammen stellen lassen und so wenigstens einen Teil aus dem gigantischen Angebot probieren. Lungarno F. Ferrucci 9c/R, Tel. +39 055 658 0313, bottegadipasticceria.it

Torta Pistocchi

Sie ist rund, weich und total schokoladig – die Torta Pistocchi kann man zwar auch in Hongkong, Paris oder New York kaufen, doch zu Hause ist sie in Florenz, wo sie von Claudio Pistocchi vor rund 25 Jahren erfunden wurde. Die teiglose Schoko-Torte wird nach einem Geheimrezept zubereitet und besteht aus nur drei Zutaten: Zartbitterschokolade, Kakaopulver und „crema di latte“, eine Art Sahne. Es lohnt sich, im Laboratorio Pistocchi vorbeizuschauen, auch wenn es nicht gerade zentral liegt. Neben der Torte kann man hier auch eine heiße Schokolade, Schoko-Dragées mit Orange und in Bitterschokolade gehüllte Marron Glacées probieren. Via del Ponte di Mezzo 20, Tel. +39 055 364 034, tortapistocchi.it

Pasticceria Piccioli

Seit gut 30 Jahren existiert diese von außen eher unscheinbare Patisserie in einer nicht weiter aufregenden Straße. Wohl auch deshalb verirrt sich selten ein Tourist hinein. Woher sollte er wissen, welche Köstlichkeiten aus der Backstube kommen? Insider stehen allerdings zu beinahe jeder Tageszeit am schimmernden Holztresen und vor der Vitrine, hinter der sich auf mehreren Etagen Torten, Kekse und die unschlagbaren Brioches türmen. Als Bestseller gelten die „budini di riso“, eine Florentiner Spezialität: Mürbeteigförmchen werden mit Milchreis und Vanillecreme gefüllt und im Ofen gebacken. Ein Genuss! Borgo Ognissanti 118/R, Tel. +39 055 295086

Großartiges Ambiente in einem ehemaligen Buchantiquariat: das Restaurant Regina Bistecca Foto: Alessandro Moggi

Trinken

Manifattura

Man kann hier einfach einen Drink bestellen – er wird garantiert gut. Man kann sich von Barman Fabiano aber auch die Besonderheiten des schicken, erst im vergangenen Sommer eröffneten Lokals erklären lassen: Es nimmt das Konzept einer klassischen italienischen Cocktailbar auf, die ab den späten 50er Jahren in Vergessenheit geraten ist. In den verspiegelten Regalen hinter dem Tresen stehen ausschließlich in Italien produzierte Flaschen – Gin, Triple Sec oder Vermouth sind einheimisch. Daraus lassen sich leckere „miscugli“ (Mischungen) zusammenstellen, etwa „Tandem“ aus dem altmodischen Likör Biancosarti und alkoholfreien Crodino. Für Stimmung sorgen alte italienische Schlager, für warme Abende gibt es eine kleine Terrasse. Piazza San Pancrazio 1/R, Tel. +39 055 239 6367

Il Santino

Sehr charmante Weinbar mit gewölbter Decke, einer Handvoll Tischen und wenigen Plätzen am Tresen. Dafür ist das Angebot an Etiketten beachtlich: Es sind gut 180, sie stammen größtenteils aus Italien und zu fast 80 Prozent aus der Toskana. Wer die nette Bardame Maryline um einen Tipp bittet, bekommt zum Apéro einen kühlen und angenehm prickelnden toskanischen Montellori Blanc de Blanc serviert. Davon trinkt man gerne ein zweites Glas und lässt sich dazu ein paar „stuzzicchini“ (Häppchen) geben. Zu den besten gehören die mit Lachs und rosa Pfeffer, mit geräuchertem „lardo“ (Speck) aus der Gegend von Lucca, oder mit zu Mus geschlagenem Stockfisch („baccalà mantecato“). Mit dieser soliden Basis im Magen macht man, was alle machen: Ein weiteres Glas bestellen. Via di Santo Spirito 60, Tel. +39 055 230 28 20, ilsantobevitore.com

Procacci

Dass dieser altmodische Laden mit angeschlossener Bar zwischen der Gucci-Pucci-Prada-Pracht an der edlen Via de’ Tornabuoni überhaupt noch existiert, ist den Marchesi Antinori zu verdanken. Die Wein-Familie, deren Stammhaus nur ein paar Meter weiter steht, erwarb das 1885 gegründete Delikatessengeschäft und bewahrte es davor, in eine weitere Boutique verwandelt zu werden. Jetzt kann man hier die weltweit bekannten Antinori-Weine kosten, unter anderem die prickelnde Cuvée Royale aus der Franciacorta oder den tiefroten Santa Cristina aus der Umgebung von Siena. Dass Procacci seit jeher bei Florentinern so beliebt ist, liegt allerdings vor allem an den auf Silberplatten gestapelten „panini tartufati“: Zarte kleine Brötchen, bestrichen mit einer intensiv duftenden Trüffelpaste, die süchtig macht. Via de’ Tornabuoni 64/R, Tel. +39 055 211 656, procacci1885.it

Le Volpi e l’Uva

Die Erzeugnisse von Marchesi Antinori sucht man hier hingegen vergebens und auch andere „big names“ der italienischen Weinwelt fehlen. Die drei Inhaber der Weinbar setzen lieber auf kleine, noch wenig bekannte Produzenten:. „Es geht uns darum gute Weine zu guten Preisen zu verkaufen“, erklärt Ciro Beligni, „jeder sollte sich ein Glas oder eine Flasche leisten können“. Das Konzept kommt an. Schon nachmittags stehen junge Leute an der Theke und bestellen einen der gut 50 glasweise ausgeschenkten Weine. Sobald es warm genug ist, werden ein paar Tische auf den idyllischen kleinen Platz vor der Tür gestellt, dann kann man ganze Abende bei Wein und leckeren gerösteten Brotscheiben mit Käse, Speck und Pfeffer, marinierten Sardellen oder getrüffelter Salsiccia verbringen. Piazza dei Rossi 1, Tel. +39 055 239 8132, levolpieluva.com

Über Nacht

Oltrarno Splendid

Charmantes Bed & Breakfast in den oberen Etagen eines denkmalgeschützten Stadtpalastes aus dem 16. Jahrhundert. Die 14 ganz unterschiedlichen Zimmer sind in geschmackvollem Shabby-Chic-Stil gestaltet. Man schläft in weiß bezogenen Betten zwischen Vintage-Mobiliar, antiken Fresken, Terracotta-Böden, Toile-de-Jouy-Tapeten und vielen überraschenden Accessoires. Das leckere Frühstück mit frischem Obst und selbst gebackenem Kuchen wird im netten Bistro im Dachgeschoss serviert. Vor der Tür warten Handwerker-Ateliers, Antiquitäten-Händler und lebhafte Trattorien, die zauberhafte Piazza Santo Spirito liegt nur einen Katzensprung entfernt. Via dei Serragli 7, Tel. +39 055 464 85 55, DZ ab 130 Euro, oltrarnosplendid.com
Foto: Ilaria Costanzo

Gallery Hotel Art

Es gibt Besucher, die kommen wegen der großartigen schwarzweiß Fotografien von Helmut Newton in Lobby und Lounge. Oder um in der schicken Fusion Bar einen Cocktail zu trinken. Doch nur wer ein Zimmer gebucht hat, erlebt den ganzen Charme dieses „Kunsthotels“ gleich um die Ecke von Ponte Vecchio. In den Gästezimmern stehen bequeme Sofas, die Betten haben weiche Lederkopfteile, die Lampen weiße Plissee-Schirme, die Duschen in den Travertin-Bädern gigantische Regenduschköpfe. Und am Morgen gibt es ein köstliches Frühstück. Vicolo dell’Oro 5, Tel. +39 055 272 63, DZ ab 184 Euro, lungarnocollection.com

25hours Hotel Piazza San Paolino

Im September eröffnet das jüngste Haus der 25hours-Gruppe an der malerischen Piazza San Paolino. Die 171 Zimmer und Suiten in einem dreiteiligen Gebäudekomplex aus dem 18. Jahrhundert sind thematisch Dantes Göttlicher Komödie gewidmet, gestaltet wurden sie von der bekannten italienischen Interior-Designerin Paola Navone. Es wird ein hauseigenes Kino, einen Pool, ein Gym mit Sauna, ein italienisches Patio-Restaurant und ein Café auf der Piazza geben. Piazza San Paolino 1, Tel. +39 055 296 6911, DZ ab 159 Euro, 25hours-hotels.com

Torre a Cona

Direkt vor den Toren der Stadt und unweit der antiken Via Roma, die von Florenz in den Süden führt, steht zwischen Olivenhainen und Weingärten eine prächtige Villa aus dem 18. Jahrhundert. Natürlich wird hier Wein gemacht, doch seit 2021 ist das Gut auch ein Gästehaus mit 20 völlig unterschiedlichen Zimmern und Suiten. Antiquitäten, zeitgeistorientierte Wohnaccessoires, freistehende Badewannen und bequeme Betten sorgen für ein ländlich-urbanes Wohngefühl, zu den Highlights zählt die im Mai eröffnete Osteria mit einer leicht modernisierten toskanischen Küche. Via Torre a Cona 49, Rignano sull’Arno, Tel. +39 055 699 000, DZ ab 129 Euro, torreacona.com